Categories: Interviews
      Date: Dec 10, 2010
     Title: Durch den Monat mit Kuno Lauener
Monatsinterview mit Kuno Lauener im Mai 2010 (WOZ)


Sind Sie ein «Laueri»?

 

WOZ: Züri West veröffentlicht eine Platte mit Songs aus der Schublade und würdigt das Demokassettli. Ist das ein Statement oder einfach Nostalgie?

 

Kuno Lauener: Ich bin schon ein grosser Demotape-Fan. Ich erinnere mich gerne an das Aufnehmen von Mixtapes für Freunde und Freundinnen, wo am Ende der letzte Song keinen Platz mehr hatte. Wo man beim Aufnehmen gut aufpassen musste. Dieses liebevolle Hinhören, das ist mitgemeint. Auf der neuen Scheibe hat es aber auch jüngere Entwürfe von Songs, die bereits digital gespeichert waren.

 

Hören wir heute weniger liebevoll Musik?

 

Man gewöhnt sich ja an alles. Wenn ich heute Vinylplatten höre und nach zwanzig Minuten aufstehen und die Scheibe drehen muss, dann finde ich das auch etwas mühsam. Gleichzeitig macht sich die Platte so bemerkbar. Heute verkommt Musik mehr und mehr zu «Zufällige Reihenfolge», wo der Computer aus 10 000 Songs etwas zusammenstellt, das dich einen ganzen Abend berieselt. Mir gefällt es, wenn Musik nicht einfach berieselt.

 

Wie hat die Digitalisierung das Songschreiben beeinflusst?

 

Die neuen Möglichkeiten haben viel Gutes. Früher habe ich im Übungskeller gekniet und versucht, meine neuen Ideen zu erklären. Da waren immer auch Hemmungen dabei, die Angst, es nicht auf die Reihe zu kriegen. Klar hatte das auch sein Gutes. Aber für mich ist es jetzt sehr «gäbig», zu Hause mit so einem Compüterli arbeiten zu können, wo ich in aller Ruhe Skizzen aufnehmen, schneiden und sogar noch draufsingen kann - das ist ein Segen. Das Aufnehmen ist auch viel billiger geworden, man kann so eine Harddisc endlos bespielen, die ist ja so was von geduldig. Aber man muss sich gerade deshalb auch disziplinieren. Und man muss sich heute den Thrill von «Band läuft», wie es ihn früher gab, selber schaffen.

 

Und wie macht ihr das?

 

Indem wir sagen: Jetzt nehmen wir zwei Wochen auf. In dieser Zeit ist jeder anwesend, und wir arbeiten konzentriert.

 

Eine neue Züri-West-Platte ist erschienen und - schwups - sind Sie, Kuno Lauener, wieder im Rampenlicht. Was tun Sie eigentlich in den Zeiten, in denen wir nichts von Ihnen hören?

 

Ich habe noch eine andere Band, die Sugarbabies, da spiele ich Bass. Das ist so eine Drogen-Metal-Band. Wir spielen Coverversionen - von Jimi Hendrix bis Motörhead. Küse und Gere von Züri West sind auch dabei. Das sind geile Songs, die gehen recht ab. Wenn ich eine andere Stimme hätte, würde ich wohl auch mit Züri West härteren Sound machen, aber ich kann einfach nicht so schreien.

 

Als Produzent für andere Bands arbeiten Sie nicht?

 

Bei mir besteht immer die Gefahr, dass es heisst «Kuno Laueners Band», wenn ich irgendwo dabei bin. Deshalb bin ich zurückhaltend mit solchen Engagements.

 

Ihre Bekanntheit schränkt Sie ein?

 

Ja. Das Produzieren von Platten würde mich interessieren. Aber wenn ich versage, schadet das der Band mehr, als wenn ich unbekannt wäre. Vielleicht werd ichs trotzdem mal machen, vielleicht ists ja nur eine Ausrede, vielleicht mache ich einfach zu wenig …

 

Lauener der «Laueri» …?

 

Je nach Phase … sicher nicht, wenn wir mit Züri West unterwegs sind. Wir funktionieren als Band ja so, dass wir eine Scheibe machen und dann spielen gehen, drei bis vier Monate, um die siebzig Konzerte im ganzen Land. Und dann machen wir wieder «chli Pause». Es braucht diese zwei Jahre Ruhe, die Schweiz ist klein, und wir sind schon so lange dabei. Ich glaube, diese Pausen tun den Fans gut und uns ebenfalls. Am Anfang ists super. Nach einer Tour gehe ich meistens gleich einen Monat weg, da melde ich mich komplett ab. Aber dann komme ich zurück und wäre eigentlich schon parat, etwas zu machen, nur irgendwie fehlt mir dann manchmal schon etwas die Struktur. Manchmal hätte ich gerne einen Nebenjob. Aber ich habe noch nicht rausgefunden, was das sein könnte.

 

Was machts so schwierig?

 

Dass ich halt schon ein Promi bin. Dass mich jeder kennt. Da staune ich jeweils selber. Am Kiosk beispielweise könnte ich nicht arbeiten.

 

Die Zeiten dazwischen sind also mehr «Knorz» als «Flohnerleben»?

 

Ich sumpfe nicht gerade ab, aber es geht mir nicht so gut in diesen Phasen, ich kann sie nicht so geniessen. Ich möchte eigentlich arbeiten und merke dann plötzlich, dass wieder ein Monat um ist. Klar, habe ich immer Zeugs gemacht, ich «chlütterle» viel rum, auch musikalisch, arbeite an neuen Ideen. Aber das Texten beispielsweise schiebe ich immer raus, das ist für mich der Horror.

 


 


Wie wirds kreativ?

WOZ: «Das Texten ist für mich der Horror», sagten Sie letzte Woche. Was macht das Schreiben so zur Qual?

 

Kuno Lauener: Ich weiss es nicht. Ich mache mir oft Notizen, schreibe einzelne Sätze auf. Aber das wars dann. Früher bin ich, kaum hatte ich einen Satz, gleich hingesessen und habe angefangen zu texten. Heute schaffe ich das nicht mehr.

 

Fehlt die Musse?

 

Vielleicht die Ruhe. Ich weiss es wirklich nicht. Ich sage mir oft: Ab jetzt setzt du dich morgens um 9 hin und arbeitest bis 17 Uhr.

 

So wie Nick Cave das macht?

 

Genau so, ja! Bei dem scheint die Entwicklung ähnlich zu verlaufen wie bei mir. Ich glaube, es geht noch vielen so.

 

Sprechen Sie das Älterwerden an? Oder die permanente Ablenkung durch E-Mail und solche Dinge?

 

Im Umgang mit dem Computer bin ich mittlerweile gut. Der würde mich extrem aussaugen, wenn ich nicht aufpasste. Dieses ewige Rumsurfen, überall noch schnell schauen, was zur neuen Platte geschrieben wurde, was die Leute in den Foren von sich geben - und dann sind im Nu wieder drei Stunden um. Da war ich sehr undiszipliniert.

 

War?

 

Ja, ich habe mich gebessert. Ich setze mich am Morgen nicht als Erstes vor den Computer, sondern lese erst einmal die Zeitung und arbeite dann etwas. Sonst bin ich nur abgelenkt. Denn ich reagiere ja auch darauf, was da zu lesen ist.

 

Wie reagieren Sie?

 

Da können in einem Forum dreissig Leute zur neuen Platte schreiben, dass sie sie super finden, und nur ein Einziger meint: «Kuno ist doch ein müder alter Sack.» Aber dieser eine Kommentar tut mir dann viel mehr weh, als mich alles Lob freut. Ich stelle mir sogar vor, wer das sein könnte, der diesen Satz geschrieben hat. Dass es das mit mir macht, finde ich nicht wirklich lustig.

 

Antworten Sie in solchen Fällen mit einem eigenen Forumeintrag?

 

Nein, ich beantworte manchmal ja nicht mal Fanbriefe. In solchen Dingen bin ich schlecht.

 

Kommen Fanbriefe heute per E-Mail?

 

Ja. Solche Briefe sind heutzutage schnell geschrieben. An mich kommen natürlich auch viele Anfragen für die Band - und immer müsste man sofort reagieren, auf eine Mail erwartet man ja innert einer halben Stunde eine Antwort. Ich funktioniere aber nicht so, das stresst mich. Auch diese Smslerei. Ich tue das Zeugs weg, wenn ich arbeiten muss. Ich brauche zum Schreiben ein Zimmer. Früher hab ich am Küchentisch geschrieben, heute gehe ich gerne irgendwo rein, mache die Tür hinter mir zu und bleibe dort.

 

Wie sieht es in Ihrem Arbeitszimmer aus?

 

Das ist einfach so ein Zimmer. Mittendrin hats einen grossen Tisch. Und am Boden ein Kuhfell. Die Kuh lebte in der Normandie, ich sage Jacques Tapis zu ihr, Köbu Teppich. Und dann hats einen Schaft, ein Sofa, eine Ständerlampe und den Laptop. Es ist immer etwas unordentlich in diesem Zimmer. Das ist mein Denkreich.

 

Was passiert, wenn Sie sich da an den Tisch setzen?

 

Manchmal habe ich keine Ahnung, was ich tun soll. Klar, ich habe eine Beige CDs vor mir. Die andern der Band schicken mir Aufnahmen mit Songfragmenten, Entwürfen, Ideen. Manchmal habe ich eine Textidee und suche dann die Musik dazu. Und manchmal ist es die Musik, die mir gefällt, und dann texte ich dazu. So fange ich an. Manchmal ist es nur ein Satz, der den Einstieg gibt. Ein cooler Satz, wie der erste Satz eines Buches. Andere Male habe ich ein paar Zeilen und suche nach dem richtigen Beat, dem guten Flow, technisches Zeugs halt, um mich davon abzulenken, dass ich keine Idee habe. Manchmal scheitere ich auch an meinem technischen Rüstzeug.

 

Was passiert in solchen Momenten?

 

Dann habe ich das Gefühl, dass alles wieder gleich tönt. Man versucht ja, sich nicht zu wiederholen. Aber dann bist du irgendwann wieder mittendrin im Schlamassel.

 

Und dann?

 

Dann wirds interessant. Ich mag diesen Moment, wo ich merke, dass ich in der Tinte sitze. Wo ich mir sage: Jetzt hast du wieder die gleichen Probleme wie vor drei Jahren, das ewig gleiche Versmass, aus dem du endlich mal ausbrechen möchtest … Das sind die Momente, in denen ich anfange zu brüten. Und dann wirds kreativ.

 

Dann steht der Song noch am selben Tag?

 

Oh nein! Bis ein Song fertig ist, gehts manchmal drei, vier Wochen. Ich weiche immer wieder aus. Sobald ich mich dann endlich richtig drauf einlasse, werde ich furchtbar asozial. Das sind dann ziemlich einsame Zeiten, aber ich mag sie. Das muss ich mir auch rausnehmen, und mein Schatz weiss das.

 

 

Sind Sie ein Sponti?

 

WOZ: Sie sind ein grosser Fan der Berner Young Boys. Statt Meister wurde der Club vergangenen Sonntag Zweiter. Sind Sie enttäuscht oder traurig?

 

Kuno Lauener: Ich bin wahnsinnig traurig!

 

Für nicht so grosse Sportfans wie Sie: Womit ist dieser Gefühlszustand am ehesten zu vergleichen?

 

Keine Ahnung. Dieser Schmerz ist kaum zu vergleichen. Am Tag nach der Niederlage gegen den FC Basel habe ich beim Kieswerk Messerli zweieinhalb Kubikmeter Rundkies bestellt und diesen hinter dem Haus zu einem amtlichen Gartensitzplatz verarbeitet. Körperliche Arbeit kann helfen.

 

Sie sind ja sogar im Beirat der Young Boys. Imagemässig betrachet ist das wohl eine Win-win-Situation. Aber was tun Sie konkret in dieser Gruppe, in der auch SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi und Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel Einsitz haben?

 

Der Beirat besteht aus ungefähr zwanzig Leuten aus der Fanszene, der Wirtschaft, Politik, Sport und Musik. Wir treffen uns zu regelmässigen Talkrunden, trinken nach den Heimspielen ein paar Bierchen am Beiratsstammtisch und tragen den Glanz unseres Lieblingsvereins in die Region.

 

Ebenfalls im YB-Zusammenhang posierten Sie 2006 für die Aktion Zeig Rassismus die Rote Karte - einer Ihrer seltenen politisch motivierten Auftritte. Ist Politik für Sie etwas Privates, oder weshalb beziehen Sie nicht öfter zu aktuellen Themen Stellung, auch in Ihren Liedern?

 

Ich nehme schon Stellung, wenn ich gefragt werde. Für politische Songs fehlt mir aber wohl etwas das Talent. Obwohl - der Song «Schpinnele okay»   auf der letzten Platte «Haubi Songs»   war durchaus politisch gemeint.

 

Da singen Sie: «I finge d’Schpinnele okay - die söue nume cho.»

 

Richtig. Es geht in dem Song um die Angst vor dem Fremden, um Vorurteile.

 

Die Form der Parabel liegt Ihnen.

 

Danke. Aber was mir fehlt … Ach, ich bewundere Endo Anaconda. Wie der auf der Bühne steht und Tagesaktuelles einbaut - sein Hirn stellt wohl nie ab. Wenn ich das könnte, würde ich es auch tun.

 

Ist es schwierig, über Politik zu singen?

 

Ich kann nur für mich sprechen: Ja! Sehr! Ich mache mir schon Gedanken, ich bin nicht ein unpolitischer Mensch. Aber über Politik, und übrigens auch über Sport, gute Lieder zu schreiben, finde ich tatsächlich extrem schwierig. Ich bewundere Leute, die im Jahr drei Scheiben rausgeben und dabei spontan zu Dingen Stellung nehmen. Ich bin einfach nicht so ein spontaner Mensch.

 

Aber Sie sind doch in den siebziger und achtziger Jahren gross geworden, der Zeit der Spontis …

 

Ja, absolut! Diese Zeit hat mich sehr geprägt, auch musikalisch. Dieses einfach mal Drauflosausprobieren, auch wenn man eigentlich noch gar nichts kann - in einer anderen Zeit wäre ich kaum je Musiker geworden, schon gar nicht heute, wo man die Hits anderer möglichst originalgetreu nachsingen muss wie in MusicStar; so was könnte ich gar nicht. Aber ich fand schon damals, dass an den Spontianlässen zu spielen der Beitrag ist, den ich leisten kann. Ich bin nicht der Redenschwinger, das können andere besser. Aber ich hatte immer das Gefühl, es ist wichtig, dass die Leute zusammenkommen und dass man als Band viel dazu beitragen kann. Wir haben an solchen Anlässen auch die Infrastruktur geliefert und solche Dinge. Das war der Beitrag, der für mich sinnvoll war. Bei allem anderen hatte ich immer das Gefühl, es gäbe informiertere Leute, bessere Leute.

 

Bessere?

 

Ja, als Redner. Ich würde nur rumleiern, und das mag ich nicht. Vor allem vor Leuten sprechen, die zu einem bestimmten politischen Thema eh schon gleich denken wie ich, finde ich blöd. Dieses Sich-selber-Abfeiern … Da gibt es sicher Leute, die in solchen Situationen die richtigen Worte finden, aber nicht ich. Viel lieber besinge ich da an einem Anarchofestival zusammen mit Michael von der Heide die Liebe. Vielleicht ist das etwas doof erklärt, aber eigentlich ist es ganz einfach: Ich will nicht rumleiern. Obwohl ich das natürlich auch tue, über Fussball zum Beispiel.

 

 

Papi Kuno?

 

WOZ: Sie sind jetzt 49 Jahre alt und kinderlos. Wollten Sie nie eine Familie gründen?

 

Kuno Lauener: Ach, das sind lange Geschichten. Aber ich kann ja immer noch Vater werden - obwohl ich mit bald fünfzig bereits etwas alt dafür bin.

 

Sie wären nicht der einzige, späte Elternschaft ist gang und gäbe.

 

Und meine Freundin ist erst Mitte dreissig. Es wäre also durchaus möglich. Stabil ist unsere Beziehung auch, wir sind schon seit zwölf Jahren zusammen.

 

Aber?

 

Wenn du älter wirst und deine Eltern alt werden, richtig alt, dann machst du dir plötzlich Gedanken, die du zuvor leichtfertig beiseite geschoben hast.

 

Gedanken welcher Art?

 

Über die Vergänglichkeit zum Beispiel. Gleichzeitig weiss ich, dass ich viel Zeit für mich brauche, für die kreative Arbeit. Diese Zeit muss ich mir nehmen können.

 

Haben Sie Angst, dass sich Kind und Kreativität in die Quere kommen?

 

Eigentlich nicht. Bis jetzt habe ich dieses Kinderthema einfach immer hin­ausgeschoben. Aber ich denke schon, dass es einen sehr einnimmt, wenn so ein Kind da ist, dass man Fan wird von seinen eigenen Göfis. Das habe ich oft gesehen, auch bei Freunden - und finds schön … Ach, ich weiss doch auch nicht.

 

Nicht wenige Frauen im Land haben sich gewünscht, sie wären dereinst die Mutter von Kunos Kindern.

 

Das ist doch ein Mythos!

 

Keineswegs. Wie ist das eigentlich, wenn man so begehrt ist, wird man mit der Zeit nicht etwas arrogant ?

 

Ich strahle ja nicht so etwas Kumpelhaftes aus, die Leute begegnen mir mit Respekt.

 

Steht dieser Respekt manchmal im Weg?

 

Es gibt Leute, die fast übereifrig alles lustig finden, was ich sage. Andere wiederum halten sich extra zurück. Und dann gibts auch Leute, die sonderbar scheu sind. Es passiert mir manchmal, dass ich alleine an einem Tisch sitze, und es setzt sich einfach kein Mensch dazu, auch wenn das die letzten freien Plätze sind. Solche Dinge sind schon komisch.

 

Wird diese Bekanntheit nicht irgendwann lästig?

 

Ich habe gute und schlechte Tage. An schlechten bleibe ich eben zuhause. Ich bin gerne zuhause. Was ich aber schade finde, ist, dass ich nicht mehr so beobachten kann. Wenn du Songs schreibst, musst du ja zuhören können, aufmerksam sein. Ich habe das früher oft und gern gemacht. Dass das jetzt nicht mehr so einfach geht, nervt ein bisschen. Denn es betrifft ganz direkt die Kreativität. Aber ich will mich nicht beklagen, ich geniesse ja auch Privilegien, werde oft an Filmpremieren und andere Anlässe eingeladen, weil mein Name auf irgendwelchen VIP-Listen steht.

 

Und sicher kriegen Sie viele Komplimente von interessanten Frauen.

 

Klar lässt einen das nicht kalt. Es gab so eine Zeit, als es eine richtige Hys­terie um uns gab, und genau da war ich in keiner festen Beziehung, hatte viele Freundinnen. Da wusste ich aber auch: Es geht den Frauen um den Züri-West-Lauener.

 

Haben Sie diese Zeit genossen?

 

Schon. Das habe ich je nach Lebens­umständen und Bedürfnissen und je nachdem, wie primitiv ich drauf war oder wie viel ich gesoffen hatte, voll ausgelebt. Wie es manchmal so ist, wenn man unterwegs ist und weit weg von zu Hause …

 

Bei einer Schweizer Tournee hält sich das «weit weg» allerdings in Grenzen.

 

Genau. Es gab also viele Gründe, nicht zum arroganten Tubel zu werden. Und inzwischen bin ich überhaupt nicht mehr so drauf.

 

Heute sind Sie quasi der Kopf eines kleinen Unternehmens, Ihre Kollegen und Angestellten sind zu einem gewissen Grad von Ihrer Kreativität abhängig.

 

Ja, von meinen beziehungsweise unseren Ideen leben zehn bis zwölf Leute. Von daher spüre ich schon ein KMU-mässiges Drückli, wenn ich vor dem leeren Blatt sitze. Manchmal ist es auch ein Riesendruck.

 

Und die guten Jahre des Musikgeschäfts sind vorbei. Spüren Züri West das auch?

 

Die Plattenverkäufe nehmen ab. Aber wir haben das Glück, dass unser Publikum immer noch CDs kauft. Und dann sind da noch die Konzerteinnahmen, die mittlerweile den grösseren Teil ausmachen.

 

Also können wir Züri West zum Schluss frohgemut viel Erfolg wünschen und Ihnen ein Leben in Saus und Braus?

 

Ich lebe nicht in Saus und Braus! Aber ich muss schon nicht mehr so dünn durch wie früher. Ich kann machen, worauf ich Lust habe: CDs kaufen und guten Wein trinken zum Beispiel. Oder in die Ferien fahren, wie jetzt. Eine Woche mit meiner Freundin nach Italien und Frankreich. Darauf freue ich mich sehr. Interview: Esther Banz

 

Kuno Lauener (49) ist Kopf und Stimme der Berner Band Züri West. Ihre neuste CD «HomeRekords» vereint bislang unveröffentlichte Songs und Skizzen. Auf Tournee gehen sie erst mit dem nächsten Album, das aber bereits im Entstehen ist.